Kurzkritik: Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers (Film, 1986)

Im Coming-of-Age und Abenteuerfilm von Regisseur Rob Reiner geht es um eine Gruppe von vier 12-jährigen Jungen, die in ihrer Heimat Außenseiter sind und sich eines Tages auf die Suche nach einem vermeintlich toten Gleichaltrigen machen, um als Helden gefeiert zu werden. Der Film basiert auf einer Geschichte von Stephen King mit dem Titel „Die Leiche“. Die Drehbücher stammen von Bruce A. Evans und Raynold Gideon, während Thomas Del Ruth die Kamera führte.

Die Handlung spielt im Jahr 1959 in der kleinen, fiktiven Stadt Castle Rock. Gordie Lachance (Will Wheaton) und Chris Chambers (River Phoenix) sind beste Freunde und bilden mit Teddy Duchamp (Corey Feldman) und Vern Tessio (Jerry O´Connell) eine kleine Clique. Sie stehen kurz vor dem Schulwechsel, weshalb sie ihre Zeit in diesem Sommer nutzen und sich nun  regelmäßig in einem selbstgebauten Baumhaus treffen. Seit einigen Tagen wird im Radio immer wieder die Meldung eines vermissten Jungen präsentiert, dass die Gruppe letztlich dazu verleitet nach ihm zu suchen. Denn Vern hatte eine Unterhaltung seines Bruders mitgehört, der angeblich die Leiche in der Nähe einer Zugstrecke im Wald gesehen haben soll. Anhand dieser Informationen gehen die vier sehr unterschiedlichen Heranwachsenden auf die Suche und erleben einige gefährliche Situationen. Nichtsahnend, dass sie nicht die einzigen sind, die groß heraus kommen wollen. Denn eine Gruppe Älterer, angeführt vom Schlägertypen John „Ace“ Merrill (Kiefer Sutherland), kommt ihnen kurz vor ihrem Ziel in die Quere.

„Stand by Me“ steht und fällt mit den vier Hauptdarstellern, denn andere Figuren kommen viel zu selten vor. Vor allem Will Wheaton und River Phoenix können hier glänzen, da ihre Charaktere am meisten ausgearbeitet werden und sie einige emotionale Szenen miteinander haben. Wobei auch Corey Feldman einige gute Szenen bekommt, lediglich der Jüngste im Bunde, Jerry O´Connell fällt etwas ab. Insgesamt wird die Freundschaft der Jungs sehr gut und realtisch dargestellt. Jeder hat seine besonderen Eigenschaften und Hintergründe, die deren Charaktere sehr nachvollziehbar machen. Grund für die tolle Darstellung ist wohl der Casting-Prozess und die besonders lange Vorbereitung des Films. So wurden laut Making Of des Films die Darsteller, da sie noch so jung waren, nach ihren Figuren passend gecastet. Das nennt man eigentlich Type-Casting und wird eher vermieden, da Schauspieler sich in andere Rollen hinein versetzen sollten. Hier hatte man eine Ausnahme gemacht und zudem sehr lange im Vorhinein geprobt, damit man viele der Szenen am Stück und ohne Schnitte drehen konnte. Dadurch wirken die Freundschaften im Film realer und die Szenen besonders flüssig. Abseits der Hauptdarsteller kann lediglich Kiefer Sutherland einen kleinen positiven Akzent setzen, der Rest der Nebenfiguren spielt keine ernsthafte Rolle.

Die Inszenierung ist recht herkömmlich, zeichnet sich allerdings immer wieder von langen Landschaftsaufnahmen aus. Die Szenerien sind recht abwechslungsreich, was den Film ein gutes Tempo verschafft. Generell ist die Länge des Spielfilms mit 85 Minuten angenehm kurz. Da die Action-Szenen recht milde sind, können auch Jüngere der Handlung gut folgen. Die Musik ist der 50er und 60er Jahre entsprechend, wobei das titelgebende Lied von Ben E. Kings erst am Ende des Films vorkommt, da es zu einem kleinen Zeitsprung kommt. Die Handlung geht einige Jahre später weiter, bei der uns gesagt wird, was aus dem Rest der Gruppe geworden ist. Dies bildet eine schöne Klammer zum Anfang des Films, die man allerdings erst am Schluss versteht.

Für mich war es nicht das erste Mal, dass ich den Klassiker sah, allerdings war das letzte Mal gefühlte 20 Jahre her. In meiner Erinnerung war alles etwas actionreicher und vor allem blutiger. Das Ende hatte ich komplett vergessen, während ich die Szenen mit den Gleisen durchaus noch präsent hatte. Als Erwachsener hat man nun nicht wirklich Angst um die Helden, selbst bei den wenigen Action-Szenen nicht. Somit wirkt die Handlung als Ganzes ein wenig unspektakulär, unschuldig und teilweise vielleicht sogar etwas aus der Zeit gefallen, was allerdings vor allem an der Erzählzeit der 50er Jahre liegt. Irritierend zu sehen ist es aus heutiger Sicht zum Beispiel, dass die Kinder schon mit 12 alle vor der Kamera rauchen – obwohl sie wohl keinen echten Tabak bekamen. Die reine Dynamik der Jungs und deren Eigenschaften sind sicherlich auch heute noch aktuell. Noch eine letzte Anmerkung: Ironischer weise ist das Schicksal der Figuren recht ähnlich zu dem späteren „Schicksal“ der echten Schauspieler. Im Hinblick auf die Figur Chris ist das natürlich irgendwie tragisch.

Fazit: Der Klassiker von Rob Reiner ist selbst heute noch im Kern sehr berührend und aktuell. Das liegt vor allem an der Fokussierung auf die vier Hauptcharaktere und weniger an der sonst eher milden Handlung und kaum vorhandener Action. Dennoch kann der Film dank herausragendem Casting der Hauptdarsteller, besonders von Will Wheaton und River Phoenix und der guten Figurenzeichnung der Clique überzeugen. Passende Musik und tolle Landschafsaufnahmen geben neben den ikonischen Szenen rund um die Eisenbahn-Gleisen ihren Rest hinzu. Vor allem junge Kids wird der Film noch heute erreichen, trotz der fast schon aus der Zeit gefallenen Erzählzeit der 1950er Jahre.

Ein Kommentar zu „Kurzkritik: Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers (Film, 1986)

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