Kurzkritik: Akira (Anime-Film, 1988)

Der  japanische Animationsfilm ist eine Adaption der gleichnamigen Manga-Reihe (1982-1990 in sechs Bänden) von Katsuhiro Otomo, der auch bei der Filmumsetzung das Heft in der Hand hielt. Er war für die Regie zuständig und  hat zusammen mit Izo Hashimoto das Drehbuch verfasst. Der 124 Minuten lange Film wandelt zwischen den Genres Science-Fiction, Action und Dystopie.

In Akria sehen wir Neo Tokio im (alternativen) 2019, welches nach der vollkommenen, atomaren Zerstörung der Stadt im Jahre 1988 durch den dritten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde, aber dessen Glanz bröckelt. Zwar bemüht sich die Politik um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele, doch ein halbes Jahr davor wird die Stadt von großen Studentenunruhen geplagt. Weite Teile der Stadt leben in Armut, Motorradgangs bekriegen sich gegenseitig und lassen sich durch die Polizei nur schwer eingrenzen. Die Hauptfigur Shotaro Kaneda ist einer dieser Unruhestifter, der unverhofft weiter in kriminelle Machenschaften gezogen wird, als eines Tages sein Freund Tetsuo Shima verunfallt, mit einem seltsamen Kind in Berührung kommt und schließlich vom Militär weggebracht wird. Tetsuo wird daraufhin festgehalten, während Shotaro sich Revolutionären anschließt um in das Gebäude einzudringen, um seinen Freund zu befreien. Plötzlich gerät alles außer Kontrolle, als übernatürliche Kräfte ins Spiel kommen und die Vergangenheit in neuem Licht erscheint.

Der Film vereint viele verschiedene Perspektiven und damit auch Story-Stränge, die in einem fulminaten und unbeschreiblichen Finale enden. Immer wieder lassen sich experimentelle Ansätze, ebenso wie surreale und horrorlastige Einschübe erkennen, obwohl die Grundgeschichte relativ konventionell erzählt wird. Es werden Themen wie Unruhen, Gewalt und Korruption angeschnitten, welche die Handlung auch im Jahr 2020 noch Brisanz und Aktualität verleihen. Stellenweise springt allerdings das Geschehen ein wenig zu stark zwischen den groß angelegten Themen und man vermisst sowohl ein wenig die Sympathieträger als auch die Charaktertiefe. Letztlich liegt der Fokus fast ausschließlich auf der Hauptfigur und dem Antagonisten. Der Rest bleibt größtenteils auf der Strecke, trotz großem Potenzial. Positiv herauszustellen sei noch der der besondere Soundtrack und die gut inszenierte Action.

Vergleiche mit dem Realfilm „Blade Runner“ (1982) und den später folgenden Anime-Serien „Ghost in the Shell“ und ein Stück weit auch „Neon Genesis Evangelion“ sind nicht von der Hand zu weisen. Sie vereinen eine dystopische Zukunft und einen Cyperpunk-Stil mitsamt künstlerischem Einschlag in der Umsetzung (heute) bekannter Themen.

Fazit: Der als moderner Klassiker gepriesene Anime-Film ist nicht perfekt. Seine gute Inszenierung, der künstlerische Anstrich und die vielen noch heute aktuellen Motiven – rund um Gewalt, Unruhen, Korruption und der Frage wie weit die Wissenschaft in Kombination mit Technik gehen darf – können überzeugen. Leider ist die Handlung aus heutiger Sicht eher herkömmlich für das Genre und zu verkürzt dargestellt. Die eher oberflächliche Behandlung der Charaktere zieht den trotzdem sehenswerten Film weiter herunter.

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