Kritik: Parasite (Film, 2019)

Begeisterte Kritiken, Erfolg an den Kinokassen und unzählige Preise, darunter als erster fremdsprachiger Film überhaupt der Gewinn des Oscars in der Kategorie „Bester Film“, pflastern den bedeutenden Weg dieses Films. Doch worum handelt es sich genau bei diesem südkoreanischen Film? Und: Kann er den Vorschusslorbeeren standhalten?

Im Film von Regisseur Bong Joon-ho, der unter anderem auch für die Werke „The Host“ (2006) und Snowpiercer (2013) verantwortlich war, geht es um zwei Familien in Südkorea deren Lebenswirklichkeiten nicht anders sein könnten.
Während die vierköpfige Familie Kim am Rande der Armut lebt, ist die ebenso vierköpfige Familie Park angesehen und verkehrt in sehr gehobenen Kreisen. Eine Verbindung der beiden Familien kommt eines Tages zu Stande, da der bisherigen Englisch-Nachhilfelehrer von Park Da-hye (Hinweis: In asiatischen Ländern steht der Nachname vorne) ein Freund von Kim Ki-woo ist und nun nach einem Nachfolger sucht, da er für einige Monate ins Ausland geht.

Trotz der ärmlichen Verhältnisse in denen Familie Kim lebt, wissen sie sich sehr gut zu helfen um an Dinge zu kommen, die sie brauchen. Deshalb wird die fehlende Qualifikation als Englisch-Nachhilfelehrer einfach von Ki-woos Schwester Ki-jung gefälscht. Dank der persönlichen Empfehlung des Freundes und einem überzeugendem Auftritt bei der etwas naiven Mutter Park Yeon-kyo gelingt es sich unter falschem Namen in die Familie Park einzuschleichen. Doch das war erst der Anfang: Langsam aber sicher versucht Ki-woo neben seiner Schwester Ki-jung ebenso seine Eltern als Angestellte der Familie Park unter zu bringen. Das Ganze weiter unter falschen Namen, mit einer jeweiligen Empfehlung des zuvor eingeschleusten Familienmitglieds und ohne Rücksicht auf Verluste. Doch wann und wie fliegt der Schwindel auf?

„Parasite“ lebt von seiner unglaublich schicken Optik, die in erster Linie durch das unfassbar schöne, moderne Haus von Familie Park besticht und auch der Mode aller beteiligten. Dies alles wird darüber hinaus sehr gut durch Regisseur Bong Joon-Ho und Kameramann Hong Kyung-pyo in Szene gesetzt. Zwar gibt es keine besonders herausragenden Einzelszenen, aber das Gesamtbild, das durch die zurückhaltende und klare Kameraarbeit vermittelt wird, ist trotzdem oder gerade deswegen überaus eindrücklich.
Ebenso zu loben ist das Drehbuch, an dem neben Bong Joon-ho auch Han Jin-won geschrieben hat. Eine deutliche Charakterzeichnung, unaufgeregte Dialoge und eine spannende Dramaturgie ergeben eine tolle Symbiose, die natürlich ebenso durch die gute Schauspielleistung aller getragen wird.

Zentral für den Film und vor allem für die Rezeption ist die Dynamik innerhalb und zwischen den beiden Familien. Zunächst schaffen es die Beteiligten sehr glaubhaft eine jeweils für sich funktionierende Familie zu zeichnen, in der sicherlich nicht alles perfekt läuft, aber sich alle irgendwie lieben. Desweiteren ist es spannend mit anzusehen wie sich das Gefälle zwischen Arm und Reich quasi umdreht. Während Familie Park eigentlich genügend Ressourcen besitzt um Macht auszuüben, sind es die verarmt lebenden Kims, die aus dem „Nichts“ heraus plötzlich mächtig wirken und alle an der Nase herum führen. Ja, sie sind weiterhin abhängig, doch die gewonnene Lebensqualität wird sehr gut gegen Mitte der Laufzeit des Films portraitiert.

Damit kommen wir nun zu einem weiteren, guten Aspekt des Films: Der Aufbau. Während wir im ersten Drittel die Familien vorgestellt bekommen und sehen wie sich die Machtverhältnisse verschieben, geht es im zweiten Drittel um die Frage wie lange das Lügenkonstrukt von Familie Kim noch aufrecht erhalten werden kann. Denn sie werden nachlässig und eine erste Wendung führt zu neuen Verhältnissen im modernen Domizil von Familie Park. Das wahre Kunststück ist das letzte Drittel des Streifens. Hier ist ein klarer Bruch zu erkennen. Das Drama verwandelt sich in etwas Unbeschreibliches, Abstruses und teilweise sehr Brutales. Ich persönlich habe bisher keinen vergleichbaren Film gesehen und war selten nach einem Film so verwirrt und beeindruckt zugleich. Auch wenn das letzte Bisschen vielleicht etwas schnell und undeutlich wird, bleibt die Geschichte konsequent.

Abgerundet wird der Film durch sein besonderes, asiatisches Setting, welches sich nicht nur in der Optik (Ausstattung und Schauspieler) ausdrückt, sondern auch durch die leichten kulturellen Einflüsse transportiert wird. Sei es die Darstellung von Armut im Kontrast zu Reichtum oder die Bedeutung von Ehre und Empfehlung von Bekannten.

Meine Haltung zum Film dürfte nun klar geworden sein: Eine absolute Anschau-Empfehlung!

Parasite ist 132 Minuten lang und ab 16 Jahren freigegeben. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels, ist der Film bei Amazon Prime im Abo enthalten und kann somit „kostenlos“ angeschaut werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s